Zuvor hatte ich immer heruntergekommene Fahrzeuge, anders kann man es leider nicht ausdrücken. Der Innenraum war verwohnt und wirkte abgenutzt. Fußmatten waren ein Fremdwort und da ich meine Fahrzeuge ganzjährig nutze, hat man im Frühjahr auch den Dreck vom Herbst und Winter nicht mehr aus dem Teppich heraus bekommen.

 

Das sollte beim Beetle anders werden.

Schon vor Beginn der ersten niedrigen Temperaturen wollte ich die Velourmatten gegen welche aus Gummi tauschen. Der Innenraum sollte so bleiben, wie er jetzt war. Ich wollte das Wohlfühlgefühl behalten.

 

Es musste ja nix neues sein, aber es sollte original sein. Mit Nachrüstmatten habe ich mal sehr schlechte Erfahrungen gemacht. So ist mir mal die Matte auf das Gaspedal bei einem Automatikfahrzeug gerutscht und ich bin nur ganz knapp einer Katastrophe entgangen. Der Beetle hat zum Glück Fixierungen im Bereich der Matten die ich auch nutzen wollte.

 

Also wie immer, ab ins Netz. Kurzerhand habe ich ein paar gebrauchte Matten für den Fußraum der Fahrer- und Beifahrerseite, sowie für die hinteren Plätze bei eBay ersteigert. Leider gibt es keine Unterschiede zwischen "Schalter" und "Automatik", so dass die Matte im Bereich des Kupplungspedals ausgespart ist.

 

Nur für den Laderaum, der natürlich auch so schön bleiben sollte, wie er war, konnte ich einfach nix gescheites finden. Es gab zwar diverse Anbieter für Laderaumabdeckungen, Laderaummatten, Laderaumwannen oder Kofferraumwannen, unter anderem auch den Hersteller Volkswagen. Nur leider waren die alle nicht passend bei einem Beetle mit dem Werkseigenen Soundsystem FENDER. Ich wollte aber auch das Risiko ausklammern, dass irgendeine Flüssigkeit im Heck auslaufen könnte.

Wie schnell greift man mal einen Becher Sahne bei Aldi und merkt nicht, dass die offen ist. Man stellt die Tüte in den Kofferraum, fährt von der Einfahrt auf die Straße und schwubs liegt die Tüte im Heck unbeobachtet rum. Und was macht die Sahne, die Milch oder die nicht richtig zugeschraubte Limo. Sie verteilt sich im gesamten Heck. Und nicht nur das, sie sickert schön langsam durch den Laderaumboden aus Velour bis in die Bordwerkzeugaufnahme hinunter in die Pseudoreserveradmulde. Was im Sommer damit passiert brauche ich wohl nicht schrieben, das stinkt zum Himmel. Nein, ich wollte auf einen umlaufenden mindestens 4 cm hohen Rand nicht verzichten!

 

Ich fand eine Anleitung im Netz, die zwar die Nutzung einer "normalen" Wanne ermöglichte, aber hier wurde aus der Wanne eine Matte gemacht. Der Schutz vor auslaufenden Flüssigkeiten war damit hinfällig. Die Flüssigkeiten wurden nur in eine andere Richtung umgeleitet.

Als einziges Angebot, das in die Nähe meiner Anforderungen kam, gab es eine, wie ich finde, sehr teure Wanne von WeatherTechEurope.com, die ich aber für das Soundsystem selbst nachbearbeiten und dadurch ebenfalls zu einer Kofferraummatte kastrieren müsste. Hier mal ein Link dazu: Weathertec-Kofferraumwanne

Auch hier wäre der Schutz auf einen Rand von 1 bis 1,5 cm geschrumpft. Somit für mich auch keine Alternative.

 

Also, was macht man, wenn man nix gescheites findet?

 

Was nicht passt, wird passend gemacht.

 

Die Matte für den Kofferraum ist aus einem Thermoplast. Es ist also kein Problem das Ding mit einem Fön zu verformen oder Teilstücke aus dem gleichen Material mit ihm zu verschweißen. Somit habe ich mich an der im Netz gefundenen Anleitung orientiert und bin dann letztendlich doch meinen eigenen Weg gegangen.

 

Zuerst wird die Box ausgebaut. Dazu wird die Abdeckung oben an der Box geöffnet und die Torx (T30) darunter gelöst.

 

FOTO FOLGT

 

 

Das Subwoofergehäuse wird nun umgekippt, so dass sie alleine aus der unteren Fixierung herausrutscht.

 

FOTO FOLGT

 

 

Nun wird der Strom getrennt. Alle Stecker im Auto sind mit Wiederhaken, Rastungen oder fixierungen versehen, so auch hier. die seitlichen Dingen zusammendrücken und der Stecker mit leichten Wippbewegungen aus der Dose ziehen.

 

FOTO FOLGT

 

 

Nun kann die Box zur Seite gelegt werden, denn sie hindert einen sonst nur an der freien Arbeit.

 

FOTO FOLGT

 

 

Da die Wanne ja für einen "Normalo" ist, passt Sie jetzt ohne die Box nahezu Problemlos rein. Bei der Wanne fehlte jedoch ein Ausschnitt für das Scharnier der umklappbaren Rücksitze. Zudem müssen auch gleich noch die Löcher für die Haltebolzen des Soundman markiert werden, damit die Wanne besser zum Anzeichnen im Fahrzeug liegt.

 

 

 

 

 

 

Der obere Kragen beträgt 1,2 cm.

 

 

 

Dieses Maß habe ich auf den anzufertigenden Ausschnitt übertragen. Die Wanne sollte zur Anprobe gut liegen und später wie von Werk aussehen.

 

 

 

Die Markierungen für Die Haltebolzen und für das Scharnier der Rücksitze habe ich nun ausgeschnitten

 

 

 

 

 

 

 

Danach erfolgte die zweite Probe.

 

 

 

 

 

Da die Wanne nun gut lag, richtete ich sie zentral aus und orientierte mich ringsum bezüglich des Abstands zwischen Wannenboden und Karosserie. Ich konnte einen durchschnittlichen Abstand von rund 2,5 cm zwischen Blech und Matte ermitteln. Diesen Abstand wollte ich später auch im Bereich der Box erreichen.

 

 

 

 

 

 

 

Damit auch die Maße vom Fender Subwoofer auf den Boden der Matte übertragen werden kann, muss zuerst der Rand in dem Bereich weg. Um sich besser zu orientieren, wie der Rand geschnitten werden muss, stellt man die Box provisorisch hin. Dazu wird sie, vorsichtig, seitlich auf die Bolzen gekippt und oben angehalten. Hier gilt, lieber einmal zu wenig ab- beziehungsweise weggeschnitten, als das später etwas fehlt!

Die für mich idealsten Schnittstellen sind auf den Fotos erkennbar.

 

 

 

Die Einschnitte im Rand habe ich über die Bolzenlöcher miteinander verbunden.

 

 

 

Nachdem der Rand im Bereich des Subwoofers beseitigt wurde, kann die Wanne eingelegt werden und die Box kann ohne Behinderung richtig positioniert und fixiert werden. Die Box wieder seitlich auf die unteren Bolzen kippen und mit der Hand kontrollieren, ob sie auch wirklich in den Gummidämpfern sitzt. Es ist wichtig auch oben die Schraube zu befestigen, damit später auch wirklich alles passt.

Wenn der Subwoofer tatsächlich richtig sitzt, auch in den unteren Aufnahmen, einfach am Kunststoffrand des Gehäuses auf der Wanne entlang zeichnen.

 

 

 

Die angezeichnete Linie muss umlaufend um ca. 1 cm erweitert werden, damit zum Schluss der Abstand von zuvor gemessenen 2,5 cm erreicht wird.

 

 

 

An dieser zweiten Linie wird nun entlang geschnitten und somit ist der Wannenboden schon mal in der richtigen Form.

 

 

 

Wer möchte, kann jetzt erst mal eine Pause machen, schließlich sind jetzt ca. 1/2 bis 1 Stunde bereits um .

 

 

Nun kommen wir zum neuen / alten Rand, der transplantiert werden soll. Dieser muss so angepasst werden, dass im unteren Bereich ein ca. 1 cm bis 1,5 cm breiter Rand verbleibt, der später zum anschweißen benötigt wird.

 

 

 

Das Ziel der gesamten Arbeit ist es, eine Dichtheit für Flüssigkeiten zu erreichen. Dabei sind viele kleine Schweißstellen ungünstig. In Jeder Naht könnte ein Fehler stecken. Somit sollte der wieder anzubringende Rand in so großen, oder besser gesagt langen, Stücken wie möglich sein. Er sollte also so wenig wie möglich zerstückelt werden. Zuerst hatte ich versucht den Rand mit dem Föhn zu strecken und zu begraden, um ihn im Ganzen anzubringen. Diese Hoffnung kann ich aber jedem nehmen. Das wird nicht funktionieren. Dazu sind die Biegeradien zu hoch und der Kragen ist störend. Lediglich den leichten Bogen im mittleren Bereich habe ich etwas mit dem Fön begradigt.

 

 

 

 

 

Der Rand wird später so mit der Wanne verschweißt, dass er sich nach oben hin öffnet. Er ist also zu den Seiten hin schräg angeschweißt, was beim zuschneiden an den zusammentreffenden Ecken berücksichtigt werden sollte. Also werden zuerst die überstehenden Ecken, bis auf ein kleines Stück zum späteren Verschmelzen, abgetrennt.

 

 

 

 

 

Um möglichst wenige Teilstücke zu erhalten, habe ich den vorbereiteten anzuschweißenden Rand, wie auf den Fotos ersichtlich, nur an einer einzigen Stelle geteilt. Dadurch erhält man eine besonders gute Passgenauigkeit mit nur drei Einzelteilen.

 

 

 

Vorweg, bei Rundungen habe ich lieber den Kragen eingeschnitten und später wieder mit Hitze geschlossen. Dadurch passt die Wanne später auch absolut super und es entstehen keine komischen Wellen.

Jetzt geben wir der Wanne ihre volle Funktionsfähigkeit zurück, so dass sie den Innenraum auch vor Flüssigkeiten schützen kann. Angefangen habe ich im Bereich der Rückbank. Hier habe ich einen kleinen Einschnitt in der Kante von Rand und Wannenboden angebracht, wo ich das kleine der beiden Teilstücke eingeschoben habe.

 

 

 

 

 

Das einzufügende Stück habe ich oben und unten an der Wanne mit dem Plastikschweißgerät (Lötkolben) fixiert.

 

 

 

Aschließen habe ich den anzufügenden Rand, Stück für Stück, in Form gedrückt und mit der Wanne vereint.

Nochmals der Hinweis, bei Rundungen lieber den Kragen oben einschneiden und später wieder mit dem Lötkolben zusammenfügen, als dass man komische Formen kreiert, die so nicht in das Auto passen.

 

 

 

Das größere der beiden Teilstücken habe ich auf der anderen Seite der Wanne angesetzt. Dazu das Stück an der Ecke der Wanne mit einem Überstand von rund 2 cm ansetzen. Die Form schmiegt sich fast von selbst an den Wannenausschnitt. Nur im unteren Bereich werden beide Teile, mittels Schmelzpunkten, verbunden. Angefangen mit einem in der äußersten Ecke.

 

 

 

Dieses große Teilstück kann in der Eckfalz / Eckkante / Eckstoß noch nicht fixiert werden, da der genau Winkel noch nicht feststeht. Dieser wird später erst mittels Passprobe ermittelt.

Wenn dieser eine Punkt in der untersten Ecke der Wanne gesetzt wurde, wird die Matte umgedreht und der Rand von außen nach innen alle 4 bis 6 cm mit der Matte verpunktet.

 

 

 

 

 

 

 

Erst anschließend, wenn das ganze Stück in Position und fixiert ist, wird der Rand vollständig mit der Matte verschweißt.

 

 

 

Zwischen diesen beiden Teilstücken verbleibt ein geringer Abstand, eine Lücke. Diese Lücke wird durch einen abgetrennten Rest geschlossen.

Anschließend erfolgte schon die erste Anprobe im Fahrzeug.

 

 

 

 

 

Hier markieren wir uns auch gleich, wie der letzte verbleibende noch offene Stoß zu verbinden ist, damit nachher alles ordentlich aussieht und gut sitzt. Diese Öffnung wird nun von außen geschlossen.

 

 

 

Nun musste nur noch die absolute Dichtigkeit hergestellt werden. Dazu habe ich sämtliche Ränder und Nähte von innen nochmals sauber verbunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Ziel war es, den Innenraum vor Flüssigkeiten ausreichend zu schützen. Um dies zu prüfen, habe ich die Wanne, ohne Stützung durch die Kofferraumwände, einfach mal mit einem Liter Wasser geflutet. Diese Menge verteilt sich leider so weiträumig, dass ich zur Verschärfung die nicht veränderte Seite angehoben und damit den selbst erstellte Schutzrand extremster Belastung ausgesetzt habe. Um es vorweg zu nehmen, es hält!

 

 

 

Und nun noch das Fertige Produkt nach ca. 6 Stunden reiner Arbeitszeit.

 

 

 

Ich wünsche viel Spaß beim nachmachen, aber jeder ist für den Mist den er verzapft selbst verantwortlich!