Gekauft habe ich ein Umrüstsatz bei X2Cars.de, der eigentlich für den Polo 6R bestimmt ist. Am besten kauft ihr dort gleich noch das Gewebeklebeband, aber dazu später mehr. Ich habe den Kabelbaum gleich mit dem Originalschalter von VW geordert und 205 Euro dafür bezahlt – die sich wirklich gelohnt haben. Dieser ist sehr gut verarbeitet. Die Buchse um den normalen Lichtschalterstecker anzuschließen ist aus einem professionellen 3D-Drucker, sehr wertig gefertigt. Die Anschlusspins sind mit Heißkleber fixiert. Der Doppel-Relaissockel ist so positioniert, dass er im Bereich des BCM (Body Control Modul) befestigt werden kann. Der Stecker für den neuen Lichtschalter ist original und passt natürlich super.

 

Der wesentlichste Unterschied zwischen dem neuen und dem alten Lichtschalter besteht darin, dass der neue Schalter keine großen Lasten tragen kann. Somit sind sämtliche Verbraucher, die damit angesteuert werden über Relais geschaltet, bzw. werden vom BCM mit Spannung versorgt.

 

 

 

Beim vorhandenen Lichtschalter werden jedoch sowohl beim Halo-Modell, als auch beim Xenon-Modell, die Nebelscheinwerfer und das Fernlicht (auch die Lichthupe) direkt über den Schalter mit Strom gespeist.

Aus diesem Grund sind im Kabelsatz 2 Relais verbaut, die die Last der Leuchtmittel tragen und vom neuen Schalter, bzw. vom BCM, lediglich die Steuerspannung erwarten. Die Pins vom alten zum neuen Schalter einfach 1 zu 1 zu übernehmen wäre somit fatal.

 

Da ich nicht einfach so alles in mein Auto baue und mich dann wundere, warum es nicht läuft, habe ich den Schaltplan von meinem Auto und vom Modell mit Xenon ab Juli 2013 vollständig analysiert. Die Verkabelung bei beiden Modellen ist, soweit ein DKG (Doppel-Kupplungs-Getriebe) verbaut ist, identisch. Zudem habe ich beide Lichtschalter durchgemessen, die Belegungen geprüft und zuvor auch noch den vorhandenen Kabelbaum durchgemessen.

 

Primär sind zu prüfen:

  1. Ist Pin 17d/16 am alten Stecker vorhanden?
    Bei mir war er es nicht, da diese Funktion vom BCM gesteuert wird. Somit musste ich beim alten Stecker den Pin 14 in den Pin 16 umstecken, da ich den Umrüstkabelbaum nicht auseinanderreißen wollte. Da am alten Schalter sowohl Pin 14, als auch Pin 16 die gleiche Funktion haben, ist jederzeit eine Rückrüstung problemlos möglich.

 

 

 

  1. Ist das TFL (Pin17d/3 am alten Stecker) am BCM (Pin 73b/29) angeschlossen oder geht es über Sicherung SC 6 direkt zum Tagfahrlicht (T10h/4)?
    Bei meinem war nicht mal die Sicherung belegt, somit läuft das TFL bei meinem über das BCM. Da das Tagfahrlicht bei meinen Halogenleuchten ebenfalls ein Halogenleuchtmittel ist, würde die Last für den Schalter eventuell zu hoch sein. Dieses Risiko galt es auszuschließen.

 

 

 

Der Rest ist nur noch Demontage, Stecken, Montieren und programmieren.

 

Demontiert wird natürlich zuerst der Lichtschalter. Stellung auf "0" und dann kräftig hereindrücken. Nun noch ein Stück im Uhrzeigersinn den Griff auf Standlicht drehen und man kann ihn im Ganzen herausziehen.

Als nächstes wird die Klappe links neben dem Lenkrad geöffnet. Auf beiden Seiten werden etwas hereingedrückt, so dass die Klappe noch ein Stück weiter geöffnet werden kann. Danach wird die klappe nach vorne herausgezogen.

Hinter der Klappe befindet sich der Sicherungskasten, wo auch TFL und Nebelscheinwerfer angeschlossen sind und darüber der Relaisträger, in dem wir unsere neuen Relais unterbringen wollen.

 

 

 

Das BCM, welches hinter dem Sicherungskasten montiert ist, wird unten aus der Halterung herausgeklipst und nach unten herausgezogen. Die Kabel sind lang genug, so dass man bequem herankommt.

 

 

 

Die Montage des neuen Schalters wird hier mal von hinten aufgezäumt.

 

Da die Relais nicht irgendwo rumbammeln sollen, sondern tatsächlich im Relaisträger verbaut werden sollen, ist dieser Weg erforderlich. Primär, weil die Stecker, ohne Demontage, nur aus dem Relaisträger zwischen Relaisträger und Rundrohr geführt werden können.

 

 

 

Um trotzdem genug Spiel im Kabelbaum zu haben, damit die Pins im BCM nicht zu straff sitzen, muss der gelieferte Kabelbaum etwas modifiziert werden. Dazu wird das Textilklebeband vom Relaissockel des neuen Kabelbaums ausgehend zunächst zurück gewickelt, so dass lediglich rund 30 cm des verbleibenden Kabelbaums verpackt bleiben.

Nun entnehmen wir dem BCM den Stecker A, denn dort müssen wir an PIN 1 und Pin 37

 

 

 

Der Stecker A ist übrigens der schwarze mit dem weißen Hebel. Dem Steckergehäuse entnehmen wir die Pin-Aufnahmen, indem wir das Gehäuse an dem Ende wo die Kabel herauskommen, etwas auseinander drücken. Auf den Pin-Schienen sind die Nummern deutlich abgedruckt, nur leider sehr klein.

 

 

 

Die beiden Steckerhälften müssen, nachdem sie dem Gehäuse entnommen wurden, auseinandergeschoben werden. Es ist etwas fummelig, aber die originale Kabelumwicklung muss dazu nicht entfernt werden. Andernfalls kann man nicht erkennen wo Pin 37 ist, da die Nummern in ganz klein auf den Pin-Trägern steht.

 

 

 

Das grüne Kabel stecken wir in Pin 1 des Steckers A und das gelbe Kabel wird in Pin 37 desselben Steckers untergebracht.

Der Stecker wird, wenn er wieder zurück gebaut wurde, zurück in seiner Buchse fixiert. Nun kann die Kabellänge ideal abgelängt werden.

 

 

 

Das grüne Kabel wird bis zum Relaissockel abgelöst. Das gelbe Kabel wird, vom Stecker des BCM ausgehend, in gleicher Länge zum Relaissockel geführt. Dabei entsteht, im Rest des Kabelbaums, eine kleine Schlaufe. Der Kabelbaum wird wieder vollständig mit dem Textilklebeband umwickelt. Da gleich zusätzliches Textilklebeband gekauft wurde, können die beiden Einzeladern zum BCM auch damit umwickelt werden. So sind diese gegen durchscheuern geschützt und zusätzlich können sie keine Geräusche verursachen.

 

Kabelbaum

 

 

Nun ist der Kabelbaum vorbereitet und kann von hinten zwischen Metallträger und Relaissteckplatz durchgefädelt werden. Den Relaissockel stecken wir in den Träger ganz oben links ein. So sind die Kabellängen ausreichend und es ist alles fixiert.

 

 

 

Und nun nur noch mit Relais verbauen

 

 

 

In den Steckeradapter stecken wir nun den originalen Lichtschaltersteck und befestigen diesen am Metallträger vom Armaturenbrett mit Kabelbinder.

 

Stecker fixiert

 

 

Den neuen Stecker führen wir durch die Öffnung im Armaturenträger. Trotz Modifikation des Kabelbaums und Fixierung des Steckers verbleibt genügend Kabellänge, um später den Schalter auch demontieren zu können

 

 

 

Nun schließen wir den neuen Schalter an und führen in die Öffnung ein. dabei darauf achten, dass die fixierung offen ist. notfalls auf "0" Stellen, kräftig eindrücken und den Hebel auf "Auto" drehen.

 

 

 

Abschließend wird das BCM wieder eingefädelt und fixiert. Nachdem alles wieder eingebaut wird ist bleibt noch die Programmierung.

Im Steuergerät 09 sollte unter Codierung 07, im Codier-Assistenten folgenden Einstellungen überprüft, ggf. angepasst werden.

Byte 8, Bit 0 Regen/Lichtsensor verbaut – sollte bereits auf aktiv stehen

Byte 10, bit 1 Leaving Home sollte auf aktiv gesetzt werden

Byte 10, bit 2 Coming Home kann auf aktiv gesetzt werden

Byte 13, Bit 6 kann auf inaktiv (=Nebelz) oder aktiv (Abblendlicht) gesetzt werden

Bei verbauten Xenonscheinwerfern bieten sich die Nebelz an, da es sonst die Brenner zu sehr belasten würde.

Byte 13, Bit 7 Lichtsensor sollte aktiv gesetzt werden

Byte 14, Bit 1 Regensensor – sollte bereits aktiv sein

Byte 22, Bit 5 Assistenzfahrlicht aktiv habe ich aktiviert, ob es funktioniert, kann ich noch nicht beurteilen.

Byte 23, Bit 0 Alternative Spannungsversorgung muss aktiv gesetzt werden, da sonst das Relais für das Fernlicht nicht angesteuert wird.

Zuletzt kommt nur noch die Funktionsprobe. Also Motor starten, Schalter auf „Auto“ und Hand auf den Sensor. Das Licht sollte innerhalb von 5 Sekunden aktiviert werden.

 

Nur um das auch zu erwähnen: Es kann jeder Zeit der "alte normale" Schalter ohne Autolicht wieder eingebaut werden und alles funktioniert wieder so wie zuvor. Eine Rückkodierung ist dazu nicht erforderlich, da der alte Schalter das im Steuergerät aktivierte Relais überbrückt. Nicht falsch verstehen. Durch den Eingriff wird die Originalität des Fahrzeug nicht beeinflusst. Selbst wenn VW etwas Reparieren muss würde alles wieder "normal" laufen.

 

Anwendung dieses Rezepts erfolgt auf eigene Gefahr. Ich übernehme keine Haftung für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Vermögen des Anwenders.